//Kann ein Rolls Royce fliegen?

Kann ein Rolls Royce fliegen?

Nein. Aber irgendwie mußte er auf den Berg, denn im Rahmen der Winterausstellung „Museen rund um den Säntis – auf dem Säntis“ auf der Bergstation der Säntisbahn ist der Rolls-Royce Phantom 2 aus dem Rolls-Royce Museum in Dornbirn ein Ausstellungsstück.

Die Ausstellung dauert von 21.12.2012 bis 21.4.2013 und ist für Besucher des Säntis kostenlos zugänglich.

Tag der Umsetzung, ein Datum das man sich gut merken kann: 12.12.2012
Bei sonnigem Wetter, ca. minus 15 Grad und wunderbarem Ausblick konnte der Spezialtransport umgesetzt werden. Der herrliche Anblick des imposanten Säntis war die Entschädigung für die langwierigen Vorarbeiten und mehrmaligen Terminverschiebungen. Mit vereinten Kräften wurde der Rolls-Royce in Zentimeterarbeit auf den Berggipfel befördert. Besonders das Anhängen an die Gondel der Schwebebahn gestaltete sich dabei als äußerst schwierig. Der Schwerpunkt des 2,5 Tonnen schweren Rolls-Royce lag so hoch, dass eine Stabilisierung gegen seitliches Verrutschen notwendig war. Die tiefen Temperaturen waren eine weitere Herausforderung, nicht nur für die Menschen, auch für das Material. So gaben Kettenzüge bei eisiger Kälte auf und mussten ausgetauscht werden. Aufgrund der Umstände dauerte der Transport von der Talstation auf den Gipfel einen vollen Tag.

Viele Besucher verfolgten die Pionierleistung von der Tal- / Bergstation aus und waren begeistert von diesem einzigartigen Spektakel. Die Zusammenarbeit aller Personen funktionierte vorbildhaft und der Rolls-Royce war kurz vor 17 Uhr ohne eine einzige Schramme/ Kratzer in der großen Empfangshalle am Säntis angelangt. Dort wird das Fahrzeug in den kommenden Monaten für Besucher des Säntis zu bewundern sein.

Fahrzeugdaten
Rolls-Royce Phantom 2
Baujahr: 1930
Motor: sechs Zylinder Reihenmotor mit 8 Liter Hubraum
Leistung: ausreichend
Maße: 525cm/190cm/175cm (l/b/h)
Handgefertigtes Einzelstück in der Museumswerkstatt aufgearbeitet
Reguläres Ausstellungsobjekt im Rolls-Royce Museum in Dornbirn

Mythos und Legende
Das Chassis des Phantom 2 wurde von F. H. Royce konstruiert und einst im Rolls-Royce Werk in Derby / UK gebaut. Einer der bedeutendsten Kutschenbauer H.J. Mulliner fertigte den imposanten Aufbau in Form eines zweitürigen Cabriolets. Die Verwendung der besten und teuersten Materialien garantierte höchste Zuverlässigkeit und brachte den Fahrzeugen den Ruf: The best car in the world!

Zur gleichen Zeit arbeitete Niklaus Zwingli an einer vergleichbaren Pionierleistung und startete 1933 mit dem Bau der Säntis-Schwebebahn. 43 Tage benötigte allein der Transport der 35 Tonnen schweren und 2300 Meter langen Tragseile von Herisau / CH auf die Schwägalp. Bereits nach nur zwei Jahren Bauzeit konnte das Wunderwerk in Betrieb genommen werden. Jeder der zwei Kabinen fasste damals 35 Personen, die Fahrt kostete 10 Franken pro Person.

Pionierleistung damals und heute
Der Rolls-Royce verfügt über ausreichende Leistung um jeden Berggipfel zu erreichen, jedoch endet die Straße zum Weg auf den Säntisgipfel auf der Schwägalp. Die Bewältigung des Säntis ermöglicht nur die Säntis-Schwebebahn. Die Umsetzung des Projekts erinnert an die Pionierleistungen von damals. So wird der Rolls-Royce mit einer der Schwebebahn-Gondeln verbunden. Angehängt an den Boden der Gondel beträgt die Toleranz zum Terrain der Bergstation nur wenige Zentimeter. Maßarbeit und Nerven wir „Tragseile“ werden daher für dieses Projekt benötigt. Die nötige Erfahrung besitzen die für die Umsetzung verantwortlichen Personen von denen auch die Idee stammt, Gust Broger von der Säntis-Schwebebahn und Johannes Vonier vom weltweit größten Rolls-Royce Museum.

Transportfakten
Der Transport führte von Dornbirn Gütle (437m) via LKW auf die Schwägalpe (1350m) – Entfernung ca. 50 km. Von der Talstation der Säntisbahn gelangt der Rolls-Royce mittels Schwebebahn auf den Berggipfel (2502 m). Die Unterlast der Bahn beträgt max. 5 Tonnen, der Rolls-Royce wiegt ca. 2,5 Tonnen. Die Seilbahn fährt beim Transport auf den Gipfel aufgrund der Unterlast äußerst langsam, für optimale Bedingungen ist Windstille erforderlich.

Für die Verbindung zwischen Gondel und Fahrzeug musste eine Spezialvorrichtung (Plattform) gebaut werden. Die Konstruktion wurde im Rolls-Royce Museum für das Fahrzeug maßgeschneidert und angefertigt.

Der Spezialtransport musste aufgrund starker Schneefälle zweimal verschoben werden. Schneemengen von ca. einem Meter gestalteten die Beladung besonders aufwendig. Auf dem Säntisgipfel wird für die Ankunft des Rolls-Royce eine Hebebühne benötigt. Einen Tag zuvor war noch ungewiss, ob es gelingt, die Schneemassen von bis zu drei Meter pünktlich bei Seite zu räumen.

Das Rolls-Royce Museum
Das Rolls-Royce Museum besteht seit 1982 als Familienbetrieb und befindet sich in einer ehemaligen Textilfabrik in Dornbirn Gütle/Austria. Ca. 1000 Exponate, darunter 70-80 Fahrzeuge sind auf drei Etagen ausgestellt. Der überwiegende Teil der Fahrzeuge stammt aus den goldenen 20er und 30er Jahren und war überwiegend in Besitz von berühmten Persönlichkeiten. So z.B. das berühmteste Fahrzeug, ein Phantom 3 von Queen Mum Baujahr 1936. Im Rahmen des Museums wird eine hauseigene Restaurationswerkstatt betrieben, in der die Sammlerstücke, sofern notwendig, auch restauriert werden können. Besonders die Anfertigung von Teilen und die Ausübung alter Handwerkskunst wurden bis heute erhalten. Der Besuch in der Werkstatt steht beim Museumsbesuch mit auf dem Programm, im Zuge einer Führung ist sogar der Blick hinter die Kulissen erlaubt.

Und hier noch einige Fotos der Aktion, zur Verfügung gestellt vom Rolls-Royce Museum…

2018-01-12T20:50:52+02:00 04.01.2013|Kategorien: Technologie & News|Tags: , |