//Concept-Cars: 2007 Volvo Hot-Rod „Jakob“

Concept-Cars: 2007 Volvo Hot-Rod „Jakob“

Die schwedische Hot-Rod-Schmiede Caresto hat sich des Themas „Retro-Hot-Rod“ angenommen. Ergebnis: Eine atemberaubende Neu-Interpretation eines Klassikers. Als Vorlage diente dem Team um Leif Tufvesson der erste serien-gefertigte Volvo „ÖV4“ (Spitzname Jakob) aus dem Jahre 1927. Aber außer der „Kastenoptik“ der damaligen Zeit, wo die Karosseriebauer noch ein Holzgestell mit Metall bezogen, hat dieser puristische Hot-Rod nicht mehr viel gemein mit dem 80 Jahre alten Original, obwohl…

Das so ein Wagen wohl nur in Schweden entstehen kann, ist dem eingefleischten Hot-Rodder natürlich klar. Nirgends anders in Europa ist die Tradition, alten Autos neuen Glanz zu verleihen und innovative Änderungen an der Karosserie vorzunehmen alltäglicher als im hohen Norden. Vielleicht liegt es ja an den langen Wintermonaten. Das ein deutscher TÜV-Prüfer schreiend aus der Werkstatt laufen würde, wird nicht nur durch die fehlenden Kotflügel sofort sichtbar.

Die handgefertigte Alu-Karosse des Retro-Zweisitzers ist ohne Schnörkel gedengelt und mit einer wunderschönen, senkrecht stehenden Scheibe versehen, die als Windschutz wohl eher nicht taugt. Wo es ging, wurden die benötigten Verkleidungsteile aus gewichtssparendem Carbon gefertigt. Gehüllt in das originale „Jakob Blue“, sticht eher der kleine Koffer vorne ins Auge, denn irgendwo muss die Wechselwäsche ja hin, in Ermangelung eines Kofferraums.

Der Innenraum, sehr puristisch in beige-tönen gehalten, mit edlem Leder bezogen und Kurzhaarfloor ausgekleidet, wartet nur mit dem Notwendigsten auf, was schon vor 80 Jahren zum Autofahren ausreichend war: Sitze, Lenkrad, Schalthebel und Tacho, hier als Multi-Funktionsanzeige.

Angetrieben wird der Kraftprotz durch einen 2,5-Liter-Fünfzylinder mit Turboaufladung und 265PS. Ja, kein V8 und ganz zeitgemäß im Öko-Zeitalter, verträgt der Turbo-Benziner natürlich Ethanol E85 und hätte damit eine grüne Umweltplakette sicher. Geschaltet wird ganz klassisch mit einem 5-Gang-Getriebe. Auf die Straße gebracht wird die Kraft über die 19-Zoll AEZ-Alu-Felgen mit 225er Reifen vorne und 22-Zoll Felgen mit 295er Pneus hinten. Der Atem des giftigen Turbo-Aggregats, wird über eine 3 Zoll-Edelstahl-Auspuffanlage ins Freie befördert. Nur zur Erinnerung: 3 Zoll entsprechen etwas über 7,5cm, was der Größe einer Faust entspricht!

Der Wagen sitzt auf einem Carbon-Rahmen mit Stahl-Unterstützung für die Motorhalterung, mit neuester Aufhängungstechnik im klassischen Look, wunderbar zu sehen an der einer I-Beam-Achse nachempfundenen Vorderachse, mit innenliegender Lenkung. Bei der freistehenden Hinterachse wurden ins Differential-Gehäuse die Bremslichter integriert. Weitere Beleuchtungseinrichtung sind nicht zu finden.

Die Verzögerung übernehmen speziell gefertigte, filigrane Scheibenbremsringe, die eher nach Fahrrad-Technik aussehen und auch wenn diese über 4-Kolben-Bremssättel angesteuert werden, hätte ich so meine bedenken bei der Leistung, aber früher fuhr man schließlich auch mit Trommelbremsen und Seilzug-Ansteuerung.

Da der Wagen erst Ende 2007 fertig wurde, können Sie schon einmal im Volvo-Museum in Göteborg einen ersten Blick auf den charismatischen Jakob werfen, bevor er dann im November 2008 zur SEMA in Las Vegas gebracht wird.

Genau das ist es, was ich unter einem Concept-Car verstehe: Moderne und innovative Technik, tolles Design und so extravagant, dass es ein „Hingucker“ ist. Vielen Dank an die Verantwortlichen bei Volvo.

2017-06-04T12:56:26+02:00 12.04.2008|Kategorien: Technologie & News|Tags: |